Sankt Martini - Kunst & Kirche

Obwohl nach dem  2. Weltkrieg  auf den Fundamenten der Reithalle einer zerstörten Kaserne aufgebaut (1947 – 1949), ist die Martinikirche „ge-ostet“. Der/die betende Besucher/in kann hier „Orientierung“ finden.

Vorhalle (Paradies)

Betritt man die Kirche durch eines der drei westlichen Portale, wird man im Paradies vom hl. Jakobus (Bronze, Bert Gerresheim), dem aufbrechenden Pilger, empfangen. Hier gibt es seit 2008 auch einen kleinen Glockenturm mit drei alten Glocken, der durch eine Schenkung des Ehepaares Möhring möglich wurde. Gegenüber  steht die kriegszerstörte Martinsglocke der alten Martinikirche. Während Pastor Heinrich v. d. Giet, der der Pastor in den Aufbaujahren war, wurde das Putzmosaik, die Darstellung des Weinstockes  von Lucy Vollbrecht-Büschlepp, mit Steinchen aus Assisi und Umgebung gestaltet. Im linken Durchgang zur Kirche, dem Weihwasserbecken gegenüber, wurde der Grundstein von 1947 in die Wand eingelassen. Im rechten Durchgang befindet sich, seit dem Jubiläumsjahr  des hl. Martin (1997), ein bronzenes Triptychon mit Szenen zum Leben des Heiligen (Ernemann F. Sander). 

Innenraum

Im Kircheninnern beeindruckt die klare architektonische Linie zwischen Taufbecken und Altar. Auffallend sind die großen Seitenfenster aus den 1950er Jahren, u.a. mit gegenübergestellten Motiven aus der Heilsgeschichte des Alten und Neuen Bundes (Lucy Vollbrecht – Büschlepp). Der Taufbereich wurde 1984 unter Pastor Engelbert Lindlar eingerichtet. Hier finden wir den großen Passionsaltar aus der Werkstatt des Meister Tilman  von Köln (1506). Dargestellt sind die „Beweinung Christi“, die „Grablegung“ und die „Auferstehung“. (Dazu empfiehlt sich als Lektüre „Jerusalem in Wesel“, Studien und Quellen zur Geschichte von Wesel 21 ). Vier kostbare Kreuzwegbilder, die im Krieg gerettet wurden, hängen an den Seiten.  Oben an der Westwand dominiert das bunte Rundfenster, der „Weltenrichter“ der Offenbarung des Johannes (Hans Richtstätter). Es war schon zum Kirchweihfest am 16. November 1949 angebracht. 1999, im Rahmen der großen Renovierung  bzw. Neugestaltung unter Leitung von Architekt Paul Eling und Pastor Heinrich Pauen fand die Kirche ihre heutige Form.  Ein steinernes Band verbindet, von West nach Ost, Brunnen und Altar, also Taufe und Eucharistie, die beiden Grundsakramente. Zwei große silberne Lichterkronen im Tauf- (24 Kerzen) und  Altarbereich (48 Kerzen) halten mit der symbolischen Anzahl von zusammen 72 natürlichen Lichtern das gesamte Kirchenschiff zwischen sich eingefasst. Diese und die beiden Altarleuchter wurden von der Fa. Nagel / Hammers hergestellt. Auffallend stehen rechts oben am Altar die Tabernakelsäule, geschmückt  mit bunten Emaillearbeiten (Mennekes, Polders) und dem Ewigen Licht, sowie das aus Edelhölzern  von Franz Guttmann geschnitzte Stand – bzw. Vortragekreuz. Links steht der „Thron des Buches“.

Linkes Seitenschiff mit Marien- und Turmkapelle

Hier begegnet man „Christus auf dem Kalten Stein“ oder „Christus in der Rast“, einer dunklen Nussbaumfigur (Köln um 1500).  Einige Schritte weiter öffnet sich seit 2001 der Eingang zur hellen Marienkapelle, einem gläsernen quadratischen Andachtsraum. Mit vielen symbolischen Farben, Zeichen und Spiegeln schufen der Glasmaler Wilhelm Buschschulte und der Architekt Paul Ehling  „Das goldene Haus unserer lieben Frau von Wesel“.  Diese schöne Kapelle mit ihrer zentralen Madonnenfigur (Eichenholz, rheinisch – westfälisch um 1460), wurde zu Beginn des neuen Jahrtausends angebaut.

In der Turmkapelle nimmt den ganzen Hintergrund ein prachtvoller Baum ein, das Glasbetonfenster von Lucy Vollbrecht – Büschlepp. Dieses stellt das Gleichnis vom Senfkorn dar. Von der gleichen Künstlerin, die so viel für die Nachkriegskirche schuf, sind auch die seitlichen 12 Kabinettscheiben zum „Lob der Schöpfung“. Sie werden ergänzt durch ein „Lob der Auferstehung“: 16 Auferstehungsymbole, in den Regenbogenfarben, stecken auf den Spitzen des Gitters (Fa. Nagel / Hammers), das zwischen Turmkapelle und Hauptschiff angebracht ist, u.a. Schmetterling, Pfau, Hahn, Sonne etc. Unübersehbar steht in der Turmkapelle auch die große Holzfigur von Franz Guttmann: „ Rabbuni, der auferstandene Meister“, der Maria Magdalena im Garten erschien. Der Altar der Turmkapelle wurde aus den Steinen des alten Hauptaltars gefertigt. Das Vortragekreuz  schuf  Waldemar Kuhn.  Alle vier Ecksäulen der Kirche tragen besondere Figuren: Links vom Altarraum eine lebensgroße Salvator – Statue (Holz, um 1500), Christus der Erlöser, rechts  St. Martin (Holz, um 1450), der selbst als Bischof den Bettler zur Seite hat und der den Gemeindemitgliedern seit Vorkriegszeiten viel bedeutet. Die beiden hinteren Ecksäulen  werden jeweils von einer barocken „Madonna vom Siege“ und einem burgundischen Martinsreiter eingenommen.

Südliches Seitenschiff

In der Nähe der Sakristei gibt es den mosaikgeschmückten Weihwasserbrunnen, dargestellt sind Jesus und die Samariterin am Brunnen (Vollbrecht – Büschlepp).  Entlang der ganzen Wand begleiten den Betrachter 15 dunkle Bronzeplatten, die Stationen vom „Weseler Kreuzweg“, den Bert Gerresheim 1989 einmalig für diese Kirche schuf. Konzipiert hat der Künstler den Weg von West nach Ost unter dem Gedanken des „Aggiornamento“, des „Heutigwerdens“. Also findet man in den einzelnen Szenen Andeutungen und Hinweise, die die Kreuzwegbotschaft in die heutige Zeit übertragen. Man erkennt mehrfach die Gestalt Mutter Teresas von Kalkutta (4, 8, 12, 13). Auch Glaubensvertreter in schwerer Zeit sind vertreten: Gerhard Storm (2), Heinz Bello (2), Karl Leisner (5), Edith Stein (8), Maximilian Kolbe (11), Johannes Paul II (13).  Mit der zusätzlichen 15. Station hat B. Gerresheim ein in den Kirchen des Ostens häufig anzutreffendes Auferstehungsbild geschaffen, die sogenannte „Höllenfahrt Jesu Christi“, oder mit den Worten des Credos: „Hinabgestiegen in das Reich des Todes“.   Im Reich des Todes hilft Christus, der „neue Adam“, dem „alten Adam“ auf. Er zieht ihn aus dem Todesschlund. Das Tau-Kreuz seiner Siegesfahne beherrscht als Zeichen der  verkündeten Erlösung das gesamte Geschehen. Zeugen dieses Vorgangs versammeln sich um Christus in Art einer Sacra Conversazione: Rechts erscheinen der Bischof von Gent, Prince des Broglie, der Verfechter der Rechte der Kirche gegenüber den Ansprüchen Napoleons (das Grabmal der Genter Seminaristen, die in Wesel inhaftiert waren und an den Folgen der Haft gestorben sind, befindet sich auf dem alten Friedhof ),- sowie der letzte Fraterherr von Wesel, Rektor Theodor Eweking (1752 – 1832)  - und Kardinal Clemens August von Galen mit seinen berühmten Predigten in Händen. Rechts unterhalb des Kardinals die gesprengten Ketten des Bösen und das zerbrochene Hakenkreuz des 1000 - jährigen Reiches  (auch auf Station 4 zu  finden).

Beim Bau der Kirche half eine „Generation von Pickern“ mit: Gemeindemitglieder, die aus den Trümmern des Weltkrieges brauchbare Ziegelsteine klopften.

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